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Wer Wind sät wird Sturm ernten

Erstellt von Gina Schibler, reformierte Pfarrerin | |   Unsere Zeitung

Gestern, am 1. Mai, begann der Rückzug der Nato aus Afghanistan. Nach 20 Jahren Krieg, dem längsten Krieg der letzten Zeit – wurden die Ziele erreicht? Oder wird das afghanische Militär – wie manche befürchten – zusammenbrechen und die Taliban blutige Rache nehmen an den sogenannten Kollaborateuren mit der Besatzungsmacht? Wir werden es sehen.

Ein Krieg geht zu Ende, der über 2 Billionen Dollar gekostet hat – er endet in den Augen der Taliban mit der Niederlage der USA. Die beiden grössten Machtblöcke der Welt – gescheitert? Ein biblisches Sprichwort kommt mir dazu in den Sinn: "Wer Wind säät wird Sturm ernten." Die Maxime von Jesus lautet: "Nicht durch Heer und Gewalt, sondern durch Gottes Geist." Gewaltlosigkeit durchdringt die Botschaft Jesu zutiefst. Gewaltfreie Entwicklung – hat sie Aussicht auf Erfolg? Ist sie nicht schrecklich wirkungslos? Im Gegenteil! Dieser schreckliche Krieg, vielleicht anfangs gut gemeint (wir befreien die unterdrückten Frauen und Mädchen) – hat letztlich so wenig gebracht! Unsägliche Kosten, Umweltverschmutzung (Kriege haben eine desaströse CO2-Billanz und verschlingen Ressourcen und Menschenleben) – für Nichts? Hart aber wahr: So ist es.

Was aber dann? Nichts tun? Ja, warum nicht! Keine Angriffs-Kriege anzetteln. Veränderungen kommen nicht von aussen, sondern müssen von innen errungen werden. Doch Nichts-Tun ist das eine. Das andere: keinen Wind säen. Wind säen wir, indem wir Machthaber – ja, es sind alles Männer! - über unseren Verbrauch von fossilen Brennstoffen mit Petrodollars füttern, die zusätzlich das Klima ruinieren. Wind säten und säen wir mit jedem Liter Öl, den wir gedankenlos über Mobilität, Fliegen, Plastikverschmutzung oder Heizung verschwenden. Die Nato hat im mittleren Osten Wind ohne Ende gesät, indem sie wahlweise zunächst die Taliban aufbaute – um sie später zu bekämpfen, weitere Grossmächte (Russland, Iran) fuhren mit diesem makabren Spiel fort. In Afghanistan und Syrien tobte ein sinnloser Stellvertreterkrieg – Wind ohne Ende, der aktuell ganz wörtlich einen gewaltigen Sturm entfacht: Die Klimahölle, auf die wir uns zubewegen und die wir fleissig anstreben.

Anstatt von unsinnigen Kriegen scheinbar im Namen der Menschenrechte (aber in Wirklichkeit aus Gier nach Öl) abzulassen und sich den wirklichen Problemen - dem Ruin des Klimas – zuzuwenden, haben die USA und weitere Grossmächte Kriege um Status und Macht geführt. Der amerikanische Präsident will sich neuerdings den wirklichen Problemen zuwenden. Ich wünsche mir, dass es ihm gelingt. Und uns allen wünsche ich, dass jeder von uns auf seine Weise vom Säen des Windes ablässt – durch jeden Liter Erdöl, den er/sie einspart beziehungsweise durch unser Ja, das wir zum geplanten CO2-Gesetz am 6. Juni in der Urne einlegen. Durch Gottes Geist – nicht durch Heer und Gewalt – welche Verheissung und welche Verpflichtung zugleich. Wenn die Unsummen von Dollars zu etwas dienen, dann dazu: Zu erkennen, wie destruktiv die Förderung von militärische Gewalt ist – und wie dumm und fahrlässig es ist zuzulassen, dass Despoten mit unseren Petrodollars ihre Herrschaft sichern.

Gina Schibler, reformierte Pfarrerin

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