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Christliche Politik - politisches Christentum

Erstellt von Roland Portmann | |   Unsere Zeitung

Einige politische Parteien werben im Wahlkampf mir sogenannten «christlichen» Werten, andere tragen sogar ein C für «christlich» in ihrem Parteinamen: Interessant ist es dann, wenn gerade Exponenten dieser Parteien ihren eigenen Kirchen den Mund bei politischen Fragen verbieten wollen.

Aber wie christlich sind diese Parteien wirklich und wie christlich können ja dürfen sie überhaupt sein? Der grosse reformierte Theologe Karl Barth hat schon im letzten Jahrhundert darauf verwiesen, dass keine politische Partei das Evangelium für sich in Anspruch, ja zuweilen sogar vereinnahmen kann und darf: Gottes Wahrheit darf nicht zum Zankapfel politischer Ränkespiele werden; keine Partei kann für sich in Anspruch nehmen, sie vertrete die göttliche Wahrheit. Das allein ist die Aufgabe der Christengemeinde, sprich der Kirche. Diese weiss auch um ihre Fehlbarkeit und Vorläufigkeit und vertritt keine göttliche Wahrheit, sondern verweist allein auf Jesus Christus. Wie «christlich» sind die in der Politik zuweilen vertretenen Werte wirklich? Wie steht es um ihr biblisches Fundament? Was ist denn zum Beispiel biblisch gesehen genau eine «Familie»? Die Bibel legt uns verschiedene Familienkonzepte vor: Von der Grossfamilie im Alten Testament über die Polygamie von Jakob bis hin zum Harem von König Salomon; Jesus war gar nicht verheiratet und Paulus rät den ersten Christen gar von der Ehe ab. Wir sehen, die Ansicht, Familie sei etwa das Bild von Frau, Mann und zwei Kindern und wenn es hoch kommt noch einem Hund, stammt eher aus dem Kleinbürgertum aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Vorsicht also beim Gebrauch und dem Verweis auf christliche Werte in der Politik!

Roland Portmann, reformierter Pfarrer

 

Sehr geehrter Herr Portmann

Ich bin eine Exponentin einer Partei, welche christliche Werte vertritt und durch ihren Leserbrief durch den Dreck gezogen wird. Ich gehöre bestimmt nicht zu denen, welche der eigenen Kirche den Mund verbieten will, ganz im Gegenteil! Es ist mir ein Anliegen, dass auch die Kirche ihre Meinung kund tun soll, ja sogar muss! Alles andere wäre gegen die Meinungsäusserungsfreiheit und nicht in meinem Sinne. Und glauben Sie mir, mein Pfarrer wurde sich nie von mir irgendetwas verbieten lassen. Was Familie ist entscheiden weder sie noch ich, sondern das in der Schweiz geltende Gesetz und unsere Gesellschaft, welche im Wandel ist. Im Übrigen sind, wie sie auf meiner Webpage lesen können, für mich christliche Werte nicht abhängig von der Religiosität einer Person, sondern sollte einem guten Charakter entspringen. Christliche bedeuten insbesondere Hilfsbereitschaft, Achtung der Würde der anderen Menschen, Ehrlichkeit und respektvollen Umgang mit Mitmenschen. Ihr Leserbrief gehört definitiv nicht dazu, da er den respektvollen und ehrlichen Umgang missen lässt, da sie mich und die anderen christlichen Exponenten verleumden. Ein Verhalten, das angesichts der Tatsache, dass sie Pfarrer sind, doch recht sonderbar erscheint. Ich wünsche Ihnen mehr Christlichkeit in Ihrem Herzen. Beste Grüsse

Maria Rita Marty, Kantonsrätin EDU

 

 

 

 

 

 

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Kommentare (6)

  • w.klee@2wire.ch
    am 10.02.2019
    Replik zur Frage : ist die Familie ein christlicher Wert ?

    Klar ist zunächst, dass die Familiengemeinschaft keine Errungenschaft des Christentums sein kann, denn Familiengemeinschaften gab es schon vor der Geburt Jesu und dem damit verbundenen Beginn des Christentums.
    Gemäss Maslow hat der Mensch (wie übrigens alle Lebewesen) ein Bedürfnis nach sozialen Kontakten, und daher bilden Menschen Gemeinschaften mit anderen Menschen (und zum Teil auch mit anderen Lebewesen) zur Befriedigung dieses sozialen Bedürfnisses sowie meistens auch zu weiteren Zwecken.
    Die kleinste menschliche Gemeinschaft ist die Lebenspartnerschaft zweier Menschen, welche durch das Hinzukommen von Kindern zur Familie erweitert wird.
    Auch die Christengemeinde ist eine menschliche Gemeinschaft, deren Gemeinsamkeit im Bekenntnis zum christlichen Glauben und in der Akzeptanz christlicher Werte liegt und im Namen Jesu Christ von der Kirche verkündet wird.
    Solche christlichen Werte sind die Nächstenliebe und die Fürsorge sowie die Anweisung in der heiligen Schrift, sich zu vermehren und sich die Welt untertan zu machen. Letztere verleitet zu unterschiedlichen Interpretationen und ist daher diskutabel, Nächstenliebe und Fürsorge hingegen sind in der christlichen Gemeinschaft unbestrittene Werte.
    Die Familiengemeinschaft gemäss dem Bild von Mann, Frau und Kindern des Kleinbürgertum von Mitte des 20. Jahrhunderts ist geeignet, diesen christlichen Werten gerecht zu werden, und sie steht auch nicht im Widerspruch zu den übrigen Lehren und Schriften des christlichen Glaubens. Deshalb hat die christliche Kirche und die christliche Gemeinschaft die Familiengemeinschaft gutgeheissen, auch wenn in der heiligen Schrift noch weitere Familienkonzepte angeboten werden (die im übrigen von der christlichen Kirche wenig akzeptiert und Epochen-weise sogar bekämpft wurden).
    Es gibt daher keinen Grund, dass in einem Land, dessen Verfassung auf den christlichen Glauben Bezug nimmt, nicht auch die politischen Gemeinschaften (Parteien) sich zu christlichen Werten bekennen dürfen.
  • roland.portmann@gmx.net
    am 15.02.2019
    Sehr geehrte Frau Marty
    Ich bitte Sie darum, meinen Leserbrief noch einmal ohne das zugegeben tendenziöse Bild von Ihnen- welches nicht von mir sondern von der Redaktion stammt- zu lesen.

    Ich frage Sie aber:
    Was ist verleumderisch daran, wenn man auf die Aussage eines CVP- Politikers, hier namentlich Gerhard Pfister, verweist?
    Was ist verleumderisch daran, wenn man im Umgang mit Politik und Christentum auf Karl Barth verweist?
    Was ist verleumderisch daran, wenn man bei der Frage um die Familie auf die Bibel oder gar Christus verweist?

    Anderen Christen dabei aber persönlich ein Defizit an Christlichkeit zu attestieren, finde ich angesichts der Aussage von Jesus über das Richten über andere eher schwierig...

    Freundliche Grüsse

    Roland Portmann
    PS: Wie wäre es, wenn wir in Volketswil einmal zum Thema christliche Werte und Politik ein Podiumsgespräch organisieren würden? Ihre Meinung interessiert mich!
    • w.klee@2wire.ch
      am 20.02.2019
      Sehr geehrte Frau Marty, sehr geehrter Herr Portmann,

      Die Platzierung Ihres Leserbriefs direkt unter dem Foto Wahlplakat Frau Marty war unglücklich - es war richtig, dass sich Frau Marty gegen diese suggerierte Unterstellung gewehrt hat, und ich verstehe daher auch ihren Ärger. Aber ich glaube Ihnen auch, dass sie für diese Montage nicht verantwortlich sind, zumal im Parteinamen der EDU ja auch kein "C" zu finden ist.

      Ich begrüsse Ihr Angebot einer Diskussion über christliche Werte, an der sich hoffentlich auch politische Parteien unseres gemäss Verfassung christlichen Landes beteiligen können. Und vielleicht sind Sie sogar einverstanden, dass wir auch nicht-theologische Werte wie das D (Demokratie, im Parteinamen der EDU) oder das F und das B (Freiheit, Bürgerrechte, im Parteinamen der Freiheitlichen Allianzpartei für Bürgerrechte) zur Diskussion stellen : Ich meine, zwischen den für Menschen relevanten Werten
      B , C , D und F (alphabetische Reihenfolge) durchaus Zusammenhänge bestehen.

      Gerne stelle ich mich zur Verfügung für eine solche Diskussion, die ich ausdrücklich NICHT als Wahlpropaganda verstehe.


      Werner Klee, Kindhausen
  • roland.portmann@gmx.net
    am 15.02.2019
    Sehr geehrter Herr Klee

    Als reformierter Theologe und Christ muss ich Ihnen hier leider widersprechen: Als Grundlage und Richtschnur gilt für mich als reformierte Christ nur die heilige Schrift, bzw. die Bibel. Und diese legt uns eine bunte Palette von Lösungen zum Umgang mit dem Thema "Familie" vor- wie sie ja ebenfalls beipflichten. ABER: die (klein)bürgerliche Familie lässt sich hier leider nicht finden... oder als Reformierter Frager ich platt: "Wo steht das in der Bibel?".
    Zugespitzt könnte man auch fragen: Was sagt den Jesus dazu? Eben nichts- das Feld bleibt deshalb als offen...

    Freundliche Grüsse

    Roland Portmann
  • w.klee@2wire.ch
    am 20.02.2019
    Sehr geehrter Herr Portmann,

    Selbstverständlich bestreite ich keineswegs Ihr persönliches Recht, als reformierter Theologe und Christ mir zu widersprechen und als Grundlage und Richtschnur für Sie selber als gläubiger Christ nur die heilige Schrift, bzw. die Bibel zu akzeptieren - soweit es Ihr VERHALTEN betrifft. Und Sie habe sicher Recht, dass die Bibel den SPRACHLICHEN BEGRIFF Familie nicht näher spezifiziert, auch wenn die kirchlichen Vertreter des Christentums während Jahrhunderten sowohl uneheliche Geburten als auch Ehescheidungen verboten und mit Strafen geahndet und damit alle Alternativen zur (klein)bürgerlichen Familie bekämpft haben, mit Ausnahme der Ehe- und Kinderlosigkeit, die aber sicher niemand als Familie bezeichnen wird.

    In meinem Buch (REGELN MENSCHLICHER GEMEINSCHAFTEN, in der Gemeindebibliothek zu finden) habe ich postuliert, dass jeder Mensch vielen unterschiedlichen Gemeinschaften angehört. Die gilt auch für mich und auch für Sie - Sie gehören der Christlichen Gemeinschaft sowie einer nationalen Gemeinschaft an, sie sind Schweizer (?), und als solcher existieren auch für Sie Schweizer Werte, mit denen Sie sich auseinandersetzen müssen, um Ihre Glaubensgemeinschaft (Ihrer Kundschaft) als Christlicher Dienstleister gerecht zu werden.

    Die Familie ist kein exklusiver Schweizer Wert, ich würde sie aber durchaus als traditionellen Schweizer Wert betrachten.

    Ich selber respektiere zu Werten, die ich als typisch schweizerische Werte empfinde, und ebenso bekenne ich mich zu den meisten christlichen Werten: ich zitiere aus dem Vorwort meines Buches:
    Menschen sind soziale Wesen. Sie bilden Gemeinschaften oder schließen sich bestehenden Gemeinschaften an nach intuitiven sowie bewussten Regeln ... und nehmen zugunsten der Steigerung der Lebensqualität Einschränkungen ihrer Handlungsfreiheit in Kauf.
    Kleinere Gemeinschaft sind ein gutes Lernfeld für größere Gemeinschaften zur Verpflichtungen jeder Gemeinschaft zum willentlichen Ersetzen von Hass und Diskriminierung von Mitgliedern fremder Gemeinschaften durch empathisches Verständnis ...
    Ein Grundgedanke des christlichen Glaubens lehrt uns, dieser Verpflichtung durch unsere Fähigkeiten zu positiven Emotionen und zur Empathie gerecht zu werden. Es ist eines meiner Ziele, mit dieser Vision dem Grundgedanken des christlichen Glaubens besser zu entsprechen – im Interesse aller Mitglieder aller Gemeinschaften.

    Werner Klee, Kindhausen
    • roland.portmann@gmx.net
      am 20.02.2019
      Sehr geehrter Herr Klee
      Vielen Dank für Ihre Ausführungen und ihre Präzisierung!
      Es freut mich und macht Spass, hier ihren Gedanken zu folgen...
      Ich bin da weitgehend bei Ihnen!

      Danke und freundliche Grüsse

      Roland Portmann